Shopware hat mit Version 6.7.9.0 das April-Release veröffentlicht. Dieses Mal steckt mehr drin als die üblichen Bugfixes: Der gesetzlich vorgeschriebene Widerrufsbutton ist jetzt nativ integriert, es gibt einen neuen Sales-Channel-Typ für KI-Plattformen, und beim Thema SEO hat sich einiges getan. Hier ist die Einordnung, was davon wirklich relevant ist und wo Handlungsbedarf besteht.
Das ist das wichtigste Thema dieses Releases. Ab dem 19. Juni 2026 müssen alle Onlineshops im B2C-Bereich eine elektronische Widerrufsfunktion anbieten. Rechtsgrundlage ist der neue § 356a BGB, der die EU-Richtlinie 2023/2673 umsetzt. Das Gesetz wurde am 5. Februar 2026 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht (BGBl. 2026 I Nr. 28).
Konkret bedeutet das: Deine Kunden müssen den Widerruf genauso einfach einreichen können, wie sie bestellt haben. Per Formular im Shop, mit automatischer Eingangsbestätigung. Kein PDF, keine E-Mail-Suche, kein Medienbruch.
Shopware liefert dafür jetzt eine fertige Lösung in der Standard-Storefront mit. Das Widerrufsformular lässt sich über die Shopping Experiences platzieren und deckt den gesamten gesetzlich geforderten Ablauf ab. Wer die Standard-Storefront nutzt, hat damit vergleichsweise wenig Aufwand.
Wichtig für Shops mit Custom Frontend oder Headless-Setup: Shopware liefert die Backend-Logik und das strukturierte Formular. Die Einbindung ins Frontend muss aber durch dich oder deine Agentur erfolgen. Ein Backport auf Version 6.6 ist ebenfalls verfügbar.
Wer die Frist verpasst, riskiert Abmahnungen und eine Verlängerung der Widerrufsfrist auf bis zu 12 Monate und 14 Tage. Das ist kein theoretisches Risiko. Die Erfahrung mit dem Kündigungsbutton hat gezeigt, dass Abmahner hier schnell aktiv werden.
Wir sind keine Anwälte. Sprich die Details der Umsetzung mit deinem Rechtsbeistand ab.
Shopware führt einen neuen Sales-Channel-Typ ein, der Produkte über KI-Plattformen wie ChatGPT verfügbar macht. Das Prinzip: Deine Produkte werden als JSONL-Feed exportiert und können bei KI-Diensten eingereicht werden. Traffic und Bestellungen aus diesen Kanälen lassen sich über die bestehende Affiliate-Infrastruktur tracken.
Im ersten Schritt gibt es einen vorkonfigurierten Feed für OpenAI. Weitere Plattformen sollen folgen. Die Idee dahinter ist nachvollziehbar: Wenn Nutzer zunehmend über KI-Assistenten einkaufen, willst du dort mit deinen Produkten vertreten sein.
Für die meisten Shops ist das aktuell noch Zukunftsmusik. Aber wer früh dabei ist, sammelt Erfahrungen und Daten, bevor der Kanal zum Standard wird. Die Einrichtung ist unkompliziert: Sales Channel anlegen, Feed konfigurieren, URL bei der jeweiligen Plattform einreichen.
Zwei Neuerungen, die im Alltag Unterschied machen. Erstens: Du kannst jetzt pro Produkt individuelle Open-Graph-Daten hinterlegen. Also Titel, Beschreibung und Bild, die angezeigt werden, wenn jemand einen Produktlink auf LinkedIn, WhatsApp oder Facebook teilt. Bisher hat Shopware hier Standarddaten gezogen, was oft zu unschönen Vorschauen geführt hat.
Zweitens: Shopware unterstützt jetzt JSON-LD für strukturierte Daten. Das ist das Format, das Google bevorzugt, um Produktinformationen in den Suchergebnissen darzustellen. Die Funktion ist aktuell noch hinter einer Feature-Flag und damit optional. Wer sie aktiviert, verbessert die Grundlage für Rich Snippets in der Google-Suche.
Wer ZUGFeRD für seine E-Rechnungen nutzt, bekommt jetzt Unterstützung für Stornodokumente und Gutschriften. Das klingt nach Detail, ist aber in der Praxis relevant: Wenn du ZUGFeRD als E-Rechnungsformat einsetzt, müssen auch zugehörige Dokumente wie Stornos und Gutschriften im selben Standard erstellt werden. Das geht jetzt direkt aus Shopware heraus.
Der KI-Assistent in der Administration speichert jetzt Gesprächsverläufe. Du kannst also an frühere Anfragen anknüpfen, ohne alles neu einzutippen. Für alle, die den Copilot regelmäßig nutzen, eine willkommene Verbesserung.
Die im Februar vorgestellte Funktion zur Konvertierung von CAD-Dateien in webtaugliche 3D-Modelle (.glb) ist jetzt offiziell verfügbar. Eine Konvertierung pro Monat ist kostenlos. Wer mehr braucht, benötigt ein Shopware Intelligence+ Abo. Shops auf einem kommerziellen Plan können das Feature unbegrenzt nutzen.
Shopware bringt eine erste Version von Product Bundles. Damit kannst du kuratierte Produkt-Sets direkt im Shop erstellen. In der aktuellen Version ist das Funktionsset noch eingeschränkt, Varianten und Mengenauswahl kommen in späteren Ausbaustufen. Das Feature ist ab dem Evolve-Plan verfügbar.
Mit Nexus stellt Shopware eine neue Ebene für Workflow-Orchestrierung und Integrationen vor. Die Idee: Prozesse zwischen Shopware und externen Systemen wie ERP oder CRM lassen sich visuell und eventbasiert steuern, ohne eigene Middleware. Nexus ist als separater Service verfügbar und befindet sich aktuell im Beta-Status.
Der Widerrufsbutton hat die höchste Priorität. Bis zum 19. Juni 2026 muss die Funktion live sein. Wenn du die Standard-Storefront nutzt, plane das Update auf 6.7.9.0 ein und konfiguriere das Formular über die Shopping Experiences. Bei Custom Frontends oder Headless-Setups: Koordiniere die Frontend-Einbindung mit deinem Entwicklerteam oder deiner Agentur.
Darüber hinaus lohnt sich ein Blick auf die Open-Graph-Einstellungen für deine Produkte. Der Aufwand ist gering, die Wirkung auf Social Shares aber deutlich spürbar.
Den neuen Agentic Commerce Sales Channel kannst du testweise einrichten, um ein Gefühl für den Kanal zu bekommen.
Das April-Release ist eines der relevanteren Minor Releases der letzten Monate. Der Widerrufsbutton allein macht das Update für jeden B2C-Shop zur Pflicht. Dass Shopware hier rechtzeitig vor dem Stichtag eine fertige Lösung liefert, ist gut. Wer es nicht auf die letzte Minute ankommen lassen will, sollte jetzt updaten.
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